Ein Mensch erzählt aus seinen  Erfahrungen im ersten Jahr seine Outings.

Die Person wird von uns seit 02/20 begleiten (da unser Verein ein seinen Reihen mehrere Berater der dgti hat) und ist uns mittlerweile eine gute Freundin und ein aktives Vereinsmitglied geworden.

Auf unser Bitte hin erzählt sie aus ihren Sein seit dem Outing und wir danken ihr dafür, das sie ihre Erfahrungen mit uns teilt, auch um anderen zu helfen! Dies sind ihre Worte so wie sie fühlt und denkt, kein Vorgaben, kein Pflichtweg, nur ein Mensch und seine Gedanken.

Dies ist ein Ersatz  für die vorhergehende Person, die Aufgrund von Unverständnis seitens der Behörden und auf massiven Druck dieser herausgenommen worden ist! Weil unser Verein angeblich nicht dem Standard der Gesellschaft entspricht und mit einem Blogeintrag, die entsprechende Person gefährdet wird. Was in unseren  Vereinsreihen für großes Unverständnis gesorgt hatte. Weiter werden wir dies nicht kommentieren.

Der 1. Vorstand JC

 

Dürfen wir Vorstellen:

BELLA

Hallo ich bin Bella, 45 Jahre jung, wohne da, wo früher das Königreich Württemberg war, quasi zwischen Alb, Schwarzwald und dem Bodensee. Sprich eine Schwäbin durch und durch.

Bin seit einer Ewigkeit verheiratet und habe eine Volljährige Tochter, sowie einen Sohn, der Anfang 2021 auch den 18. Geburtstag feiern darf.

Seit Januar 2020 bin ich vollzeit trans Frau. Durch einen Gesundheitlichen Schuss vor den Bug, habe ich eingesehen, dass es nun an der Zeit ist, für mich einzustehen, das ich bis dato nicht getan habe und mir immer noch schwerfällt.

Aber auch die Vergangenheit aufzuarbeiten, Worte und Taten von anderen, die mich an den Abgrund brachten, Schuldgefühle die bis heute immer wieder aufkommen, zu verarbeiten und für mich einzustehen, dass ich so bin, wie ich mich fühle und nicht wie mich die Gesellschaft haben will. Ich gehen meinen eigenen Weg, lass mir von keiner trans Person oder Verein vorschreiben wie ich was zu tun oder zu sagen habe.

Auf dem Weg begleiten mich meine Frau und Kindern, die ich fast schon abgöttisch liebe, sowie eine Psychologin und Familientherapeutin und zum Teil Freunden aus der Szene.

Gemeinsam gehen wir durch Höhen und Tiefen, was durch meine Depressionen, die nicht unbedingt mit diesem Thema hier zu tun haben, manchmal eine große Herausforderung für die Familie, aber auch für mich ist.

Ich bin gläubig, aber habe ein gespaltenes Verhältnis zur Kirche, was auch auf deren Ansichten beruht. Mal verurteilen die trans*Menschen, mal betonen sie wie offen sie gegenüber uns sind. Deshalb nehme ich den direkten Weg zu Gott, hätte er nicht gewollt daß ich diesen Weg gehe, hätte er mir im Januar 2020 das Licht ausgemacht.

Durch Zufall bin ich auf Twitter auf die Kinderbotschafterin der SK Welcome Home Stiftung aufmerksam geworden und nach vielem Virtuellen Austausch mit Ihr und Ihren Eltern, durfte ich Sie und Ihre Familie im süddeutschen Hochsommer 2020 persönlich kennenlernen.(Es hat den ganzen Tag geregnet😉)

Ich hatte sehr große Bedenken, das gebe ich offen zu, zumal ich bis dato noch niemanden aus dem Internet im Realen Leben getroffen habe. Aber über das restliche Jahr verteilt, haben wir regen Kontakt gepflegt, woraus sich mittlerweile eher eine enge Freundschaft zwischen uns Erwachsenen entwickelt hat, und vor allem das Trans Mädchen (11 Jahre) habe ich in mein Herz geschlossen, natürlich auch ihren Bruder, der mich mit einem Schlagzeug Solo überraschte. Bei einem weiteren Treffen im Spätherbst, wurde mir angeboten, hier auf der Plattform von Haus Roissy e.V. einige Blog Beiträge zu verfassen. Sie werden anfangs nicht chronologisch Aufgebaut sein, ihr kommt schließlich erst jetzt in mein Leben.

Aufgrund der Entfernung und Hauptsächlich Corona geschuldet, war das leider das letzte persönliche Treffen 2020. Jedoch stehen wir Virtuell, in Chat’s, WhatsApp, Telefonanrufe und Videoanrufe fast täglich in Kontakt.

Mit dem anderen Thema dieses Vereins habe ich im Moment eher nichts am Hut, irgendwann vielleicht erkläre ich den Hintergrund dazu genauer. Dennoch würde ich eher meine Frau und Familie als Muggel’s bezeichnen, mich selber eher als interessierte Eingeweihte die mit den Grundregeln vertraut ist.

Ich bilde mir stets meine eigene Meinung, die muss niemand gut heißen, aber ich habe meine Gründe dafür, kämpfe dafür, lass mich nur in den seltensten Fällen davon abbringen. Dennoch lass ich anderen ihre Meinung und Leidenschaften🦯 ⭕ und bin mittlerweile ein fast vorurteilsfreier offener Mensch.

So das dazu, fangen wir mal noch nicht in richtiger Reihenfolge an, aber ihr kommt ja auch jetzt erst in meinem Leben an:

 

MEIN ECHTES LEBEN

Was war geschehen, dass ich im Januar 2020 in der Intensivstation landete. 

Ich hatte im Sommer ’19 nach langer Arbeitslosigkeit einen Job gefunden. Er hatte nicht viel damit zu tun, was ich in zwei Ausbildungen und Weierbildungen gelernt und mir über Jahre angeeignet habe. Es fiel mir von Anfang schwer, mich in dem Großraumbüro einzubinden, strenge Vorgaben zu erfüllen. Auch versuchte ich zu der Zeit meine liebe zu Rosa und vor allem Pink sowie Nagellack und glitzer Schmuck in den Alltag einzubauen. Ich fühlte mich als Außenseiter, war der Aufgabenstellung die mir fremd war nicht gewachsen. Dennoch gab ich alles, was ich zu dieser Zeit konnte. Das zehrte auch an meiner Gesundheit.

Im November ’19 wurde mir von dem damaligen Arbeitgeber die Pistole auf die Brust gesetzt. Entweder ich unterschreibe eine Vertragsänderung oder meine Probezeit endet. Nach rechtlichem Beistand, wusste ich, es ist nicht rechtens, aber ich habe schlussendlich keine andere Wahl wie zu unterschreiben.

Dies erzählte ich einer mir nahestehenden Person. Anstatt mich aufzubauen hörte ich Worte wie, war klar, daß du das nicht schaffst.

Ich dachte es hält länger wie ein halbes Jahr, kannst du dich auch mal anstrengen und anpassen. Gesundheitlich schlug es mich nieder mit Körperlichen Beschwerden wie eine Stirnhölenentzündung und psychisch mit schweren Depressionen. Beide Zustände verschlechtern sich, ich habe mich von allem und jedem zurückgezogen. Einzig meine geliebte Tochter, zu der ich immer schon ein besonderes Verhältnis hatte, gewährte ich Zugang zu mir.

Weihnachten war wie immer, in meinen Augen, ein überzogenes Fest wo gute Mine zum bösen Spiel gemacht wird, Erwartung hinein interpretiert werden die nicht erfüllt werden können, und eine Scheinheiligkeit an den Tag gelegt werde.

Auch entladen sich alljährlich Emotionen, falsche Erwartungen Überforderungen die oft in Gewalt endeten.

Wie schon geschrieben, ich glaube an Gott, es ist der Geburtstag des Erlösers, dennoch kann ich mir nicht vorstellen, er hätte sich so ein Trubel gewünscht.

Ich habe den Entschluss gefasst, das hinter mir zu lassen, aufzugeben und es ein für allemal zu beenden. Ich hatte weder Antrieb, Mut noch Kraft, ich hatte mich aufgegeben!

Ich hatte mir ein Zeitpunkt gesetzt, den meine Familie nicht mit Weihnachten oder einem anderen Anlass in Zusammenhang bringen kann, ich habe schon immer nur zuerst an meine drei gedacht. Zwischen den Jahren fuhren wir nach München um ein paar Tage etwas anderes zu sehen. Auf wessen Antrieb hin weiß ich nicht genau, ich glaub ich wollte raus aus dem Alltag, meine Tochter in unsere deutsche Lieblingsstadt. Wir haben tagsüber tolles Erlebt, Nachts habe ich heimlich in das Kissen geweint. Bereits dort, wie auch im Sommerurlaub zuvor gab es mich nur in weiblicher Kleidung. Es tat mir gut, hat mich zum Nachdenken gebracht. Aber meine Frau war überfordert, mit was weiß ich nicht genau, aber es hatte sich in einem lauten Streit in der S-Bahn entladen hat. Eigentlich wollte ich den Tag zuvor den Plan aufgeben, nun doch wieder nicht. Ich zögerte, ließ den Tag x im neuen Jahr Verstreichen, versuchte meine Gesundheit die mittlerweile nach einer Ohrenentzündung auf der Lunge angekommen war, in den Griff zu bekommen ohne den Arbeitsplatz nicht noch mehr zu gefährden. Ich ließ mir sehr starke Antibiotika verschrieben. Bereits in der Kindheit hatte ich eine Lungenentzündung was allergisches Asthma auslöste. Ich nahm daher entsprechende Tabletten nach dem Mittagessen ein, meine Frau war bei der Arbeit, meine Tochter hatte Dienstfrei.

20 Minuten nach Einnahme überkam mich eine nie da gewese Hitze, ich bekam Pusteln an den Armen und ich ringte zusehens um Luft. Ich habe meine Tochter gerufen, mich ins Badezimmer begeben um die dort gelagerten Asthma Mittel einzunehmen. Beim Blick in den Spiegel bin ich erschrocken, auch im Gesicht hatte ich Pusteln, der Schweiß lief mir über das Gesicht, die Augen rollten sich im Kreis, meine Zunge wurde dicker. Als meine Tochter meinen Zustand erkannte handelte sie sofort, rief den Notarzt und kühlte bis zu dessen eintreffen meine Zunge und beruhigte mich. Dann ging alles sehr schnell, ich erinnere mich an eine blonde Dame, die auf dem Esstisch alle möglichen Medikamente auspacken, der Notarzt der mich versorgte, eine weitere Person die meine Tochter über Vorerkrankungen und aktuelle Medikamenteneinnahme ausfragte. Ich bekam etwas gespritzt, eine Infusion,  eine Beatmungsmaske und wurde in den RTW verfrachtet. Durch die Beatmungsmaske konnte die Zunge nicht mehr gekühlt werden, sie schwillt bis zum Gaumen an und alles wurde auf einmal hektisch um mich herum, eine Art Spachtel wurde mir in den Mund zwischen Zunge und Gaumen gerammt, eine ganze Anzahl an Spritzen verabreicht, dass Martinshorn eingeschaltet. Nun wurde mir eigentlich erst bewusst, wie ernst die Lage ist.

Im Schockraum war alles so halbwegs wieder stabil und abgeschwollen, als Meine Frau und Tochter zu mir durften. Ich wurde auf die Intensivstation verlegt, wo mich mein Sohn nun auch endlich besuchen durfte.

Als ich das ängstliche Gesicht sah, diese traurigen Augen, wusste ich, ich kann so nicht weitermachen. Ich werde von jemandem gebraucht, es macht sich jemand Sorgen um mich.

Mir wurde klar, dass ich die Depression bekämpfen muss und nicht mehr gegen mich, gegen meine Gefühle und meine Vorlieben kämpfen werde!

Ich beschloss noch in dieser Situation, zu MEINEM ich zu stehen, mir Hilfe für die Dunkelheit zu suchen.

Ich schrieb meiner Frau eine Nachricht, ich entschuldigte mich für die Sorgen die ich ihr machte, ich schrieb, ich such mir professionelle Hilfe. Aber ich schrieb ihr auch, die Frau in mir muss endlich raus, sie braucht nun Platz in unserem Leben. Als meine Eltern zu Besuch kamen, habe ich dasselbe gesagt. Aber entweder wollten sie es nicht hören, oder nicht verstehen, wahrscheinlich beides.Ich erklärte, dass dieser Anaphilsktische Schock “ nur“ ein Auslöser hatte, meine Probleme liegen tiefer, ich habe Depression und es gibt schon immer eine weibliche Seite in mir, die nun an die Oberfläche muss.

In dieser Nacht durfte Bella endlich ans Licht.

Seit dieser Zeit gab es viele Tränen und kämpfe aber auch einige Erfolge, darüber werde ich alsbald euch berichten nur vorab soviel:

Seit Ende September, genauer gesagt seit dem 24.9.20 bekomme ich die sogenannte Hormon Ersatz Therapie.

Alle notwendigen Untersuchungen und Test, auch meiner angeschlagenen Gesundheit geschuldeten weiteren, aus meiner Sicht, wirklich wichtigen Untersuchungen, um diese ich den Endokrinologen gebeten habe, hatte ich bereits im August absolviert. Auch hier hat mich Corona etwas ausgebremst, denn die Ergebnisse waren erst Mitte September aus den verschiedenen Labore da. Unterlagen von Fachmedizinern, Klinik Aufenthalten und mein bisherigen Medikamentenplan hatte ich bereits im August dem Arzt mitgebracht, ebenso die Psychologische Indikation, die vorausgesetzt wird.

Und schon wieder laber ich hier zuviel, bin halt ein Mädele 😉

Auf jedenfall wurde das Hormon Thema von mir zu Hause beim Abendessen kurz angesprochen, es war allen Familienmitgliedern bekannt, dass ich mich die letzten Monate darum bemühte. Die Einnahme von Testosteron Blocker morgens und Abends in Tablettenform wurde schnell Routine, auch das Auftragen des Gynoķadin Gel habe ich in die morgendliche und abendliche Badroutine eingebaut. Bei ersterer wurde ich vom pupertirenden Sohn beobachtet, weil ich mal wieder zu lange zum Duschen gebraucht hatte. Er meinte ganz trocken, dein Körper ist aber ganz schön übercremt. Ich habe dieser Aussage kein großes Bemessen geschenkt, eher gedacht, würdest du deinen Körper auch ein bischen Creme zukommen lassen, könnte das nicht Schaden.

Später am Tag, hat er sich doch den Mut gefasst, zu fragen wieso ich das gel auf den innenflächen der Arme verteile und nicht auf den Brüsten, wo es ja wirken sollte. Ich habe ihm das so einfach wie möglich und so gut wie es eine nicht Medizinernin kann, erklärt. Auch dass die weiblichen Hormone sich nicht nur auf das Brustwachstum auswirken, auch auf die Fettverteilung im Körper einwirken, die Haut weicher macht und Einfluss auf die Körper Behaarung hat, aber auch auf Hoden und Penis seine Auswirkungen hat. Ich war mir nicht sicher,  ob er das alles so verstanden hatte, dennoch hatte ich das Gefühl, er hatte genug vom zuhören.

Spät am Abend, nach dem Abendessen hat er mir eine ominöse Frage gestellt, worauf er leider von seiner Schwester ausgelacht wurde. Er fragte, wie lange die Hormon Therapie dauern muss, bis das Teil da unten abfällt und ob man das merkt oder es irgendwann in der Toilette liegt.

Ich habe diese Frage zu erst auch nicht für ernst genommen,  da er mich jedoch schon sauer daran erinnerte, dass ich gesagt habe, er dürfe mich immer alles Fragen, wurde mir Bewusst, es ist sein absoluter Ernst.

Puhh, dachte ich, entweder hat er in Biologie nicht so ganz aufgepasst, oder das Schulsystem hier kannste in der Pfeife rauchen.

Die Erklärung meinerseits erfolgte eher kindlich sachlich, unter Zuhilfenahme eines animierten Videos der Gechlechtsangleichenden Operation. Nun hat er es verstanden.

So lieben Menschen da drausen genug fürs erste ich melde mich wieder auf bald.

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